Dauþuz – „Vom schwarzen Schmied“: Wenn Alben Geschichten erzählen

Im Jahr 2021 erblickte das Album „Vom schwarzen Schmied“ der Band Dauþuz das Licht der Welt. Der Black-Metal Epos handelt von einem Mann, der um die Mittelsteinzeit herum einen Pakt mit einem Berggeist eingeht, seit jeher unsterblich umher wandelt und den Aufstieg der Menschheit betrachtet. Als von einer übernatürlichen Macht ausgebildeter Bergschmied beherrscht er sein Handwerk in Perfektion und lehrt es die Menschen. Doch was ist ein Bergschmied überhaupt und warum ist seine Profession so faszinierend, sowohl aus der Perspektive einer Black-Metal Band und darüber hinaus? Höchste Zeit diesen Fragen nachzugehen!

Über die Band

Zu Anfang ist es sicher nicht verkehrt, zuerst die Band und ihr Werk vorzustellen. Dauþuz (urgermanisch für Tod) sind ein Black-Metal-Duo, bestehend aus den Musikern Syderyth und Aragonyth, die seit 2016 zusammen Musik machen. Ihr gesamtes Werk durchzieht die Beschäftigung mit vorindustriellem Bergbau und mythischen Sagengestalten. Ihre wohl bekannteste Schöpfung ist das Lied „Steinhammer“ von der 2018er EP „Des Zwerges Fluch“.

Über das Album

Im Jahr 2021 brachte das Duo dann das Konzeptalbum „Vom schwarzen Schmied“ heraus. Es ist geprägt von atmosphärisch treibendem Black-Metal, der eine wunderbar mystische Stimmung erzeugt. Der Gesang auf der 2021er Version entspricht klassischem BM – krächzend, kehlig, roh. Nur ein Jahr nach Erscheinen entschließen sich Dauþuz dazu nachzulegen – allerdings nicht mit einer neuer Kreation sondern mit dem gleichen Album in remasterter Version: Diesmal jedoch mit Klargesang. Dem Albumtitel wird der Zusatz „Berggesänge“ verliehen. Und das Album gewinnt damit noch einmal einen ganz neuen Flair. Syderyths Bariton-Stimme schmiegt sich an den kratzigen Black-Metal Teppich wie  und erzeugt so eine Mischung, die nicht nur Fans von Band und Genre Spaß machen dürfte. Gut verständlich ist die Geschichte vom schwarzen Schmied deshalb aber noch nicht. Ein kurzer Abriss führt hier zu mehr Klarheit (ersetzt aber nicht das Hörvergnügen!).

Die Geschichte beginnt

Im ersten Stück „Mein Berg“ resümiert der Ich-Erzähler, gleichzusetzen mit eben jenem schwarzen Schmied, sein Leben, von dem die folgenden Stücke berichten. Er sitzt auf „seinem Berg“ und lässt den Blick weit über den Eichenwald schweifen. Neben der tiefen Trauer über die vergangenen Jahrtausende(!) und seine Unsterblichkeit, drückt er auch sein Unverständnis über die eigene Existenz aus. Er hat zwar ewiges Leben gewonnen, dafür aber die Identität verloren: „Bin ich (…) Mensch oder Dämon, gar ein Gott oder einfach elende Geist?“

Der zweite Song „Der Eid“ erzählt die Begebenheit, die zur Unsterblichkeit führte. Der Bergbau steckt zu der Zeit („vor 8279 Jahren“) zwar noch in den Kinderschuhen, doch die Sohle (allgemein gesprochen der Fußboden der Grube) liegt bereits zu tief, sodass der Erzähler hindurch bricht und in schier unendliche Tiefen fällt. Dort begegnet er dem Geist des Berges. Dieser bietet ihm den Handel an: Ein unsterbliches Leben dafür, dass er bei dem Geist in die Lehre geht und fortan die Menschen mit dessen Geheimnissen vertraut macht. Die Motivation des Berggeists bleibt ungeklärt, jedoch macht er den Erzähler damit zu einer Art Prometheus des Bergbaus. Dieser, nicht ganz Herr seiner Sinne, geht den Handel ein und wacht schließlich neben seinem toten Bruder auf, der vermutlich weniger „Glück“ hatte und wahrscheinlich durch den Unfall in der Grube um Leben kam. Die eigene Unsterblichkeit wird dem Erzähler, für den Stunden, Tage und Jahre keinen Unterschied mehr darstellen, schnell bewusst, indem er zuerst den Bruder, dann Vater und Mutter, seine Frau und Kinder und schließlich sogar Kindeskinder zu Grabe trägt. Daraufhin verlässt er den Berg. 

Elende Existenz

Die weiteren Stücke erzählen von der Existenz des Bergschmieds. mal in ruhiger Stimmung mit akustischer Gitarre mal mit Chorgesang oder gesprochenem Text, wie in „Desperatio“ (zu deutsch „Verzweiflung“ – nach katholischem Verständnis die Last einer Sünde, die so groß ist, dass der Sünder statt zu büßen in Verzweiflung über sie verfällt, danke Wikipedia). Er zieht in der Welt umher, lehrt die Menschen, denen er sich zunehmend nicht mehr zugehörig fühlt, sein Handwerk und muss erkennen, dass diese ihre neu gewonnen Fähigkeiten nicht zum Guten einsetzen, sondern nur um durch Mord ihre Macht mehren zu können. 

So zieht er sich auf und in „seinen Berg“ zurück, wo ihn kein Sterblicher finden kann und schmiedet dort aus dem edelsten aller Erze seltene Gaben, die er nur Wenigen (wem und warum wird nicht erklärt) zum Geschenk macht. Den Menschen ist er nur noch aus Sagenliedern als ewiger Schmied bekannt. Zu tief sitzt sein Abscheu gegen die Menschheit, an deren zweifelhaftem Aufstieg er sich die Mitschuld gibt und auf deren endgültigen Untergang er wartet.

Zwar im Einklang mit der Natur, doch durch sein unsterbliches Los gepeinigt, stellt der Erzähler nun die Frage nach dem Sinn des Handels mit dem Berggeist, den er seit seiner „Lehrzeit“ nicht wiedersah. Hat dieser ihn womöglich reingelegt, um ihm sein Schicksal zu übertragen und endlich sterben zu können? Soll er, der Bergschmied, vielleicht selbiges mit einem unwissenden jungen Menschen versuchen? Er entscheidet sich dagegen und findet sich zuletzt mit seiner Unsterblichkeit ab – im „Strom der Äonen“ wartet er darauf, dass ihn „das Schmiedefeuer der Sonne“ endlich erlöst.

Hier könnt ihr euch das Album anhören!

Hier gibt es alle Liedtexte zum Nachlesen!

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